Predigten zum Nachlesen

Auf dieser Seite finden sich Predigten von Jürgen Braun, Jugendreferent im Kirchenbezirk Reutlingen

Wohin geht dein Blick?

Liebe Gemeinde,

jetzt während der WM kann man es ja herrlich beobachten. Jubelnde Fußballer und jubelnde Fans, besonders bei so torreichen Spielen wie unser Halbfinale. Einfach großartig. Mega erfolgreich. Und man kann beobachten, wie verschiedene Spieler auf ihren Erfolg reagieren. Auf der Rückseite eures Psalmblatts findet ihr einige Bilder von jubelnden Spielern nach einem geschossenen Tor.

Erfolgreich sein und dann? Wohin geht der Blick? Spannend zu beobachten.

Da gibt es Spieler, bei denen zeigen der Blick und die Gesten auf sich selbst: Jawohl, das hab ich richtig gut hinbekommen. Da gibt es Spieler, bei denen geht der Blick ins Publikum: Seid ihr auch stolz auf mich und meine Leistung? Jubelt mir zu!
Und dann gibt es Spieler, da geht der Blick nach oben: Danke, Gott, ich weiß, was ich dir zu verdanken habe! Und das beeindruckt mich.

Blick auf sich selbst

 

Europa League - FC Schalke 04 - Maccabi Haifa

 

 

 

 

 

Blick nach oben

 

 

 

 

 

Auch hinter uns liegen erfolgreiche Zeiten.

Wir haben gemeinsam ein tolles KonfiCamp erlebt und Konfis eine unvergessliche Erfahrung ermöglicht.
Vielleicht war der ein oder andere auch in der Schule oder in der Ausbildung dieses Jahr erfolgreich.
Und auch ich habe in meinen vier Jahren hier im Kirchenbezirk Reutlingen erleben dürfen, wie vieles, was ich gemacht habe, gelingen durfte.

Erfolgreich sein und dann? Wohin geht der Blick – bei uns?

Er geht zu Recht auch auf uns selbst: Ja, wir können uns freuen. Wir dürfen uns auf die Schulter klopfen und sagen: Das haben wir gut hinbekommen. Mühevoll haben wir organisiert und vorbereitet, mit Leidenschaft die Inhalte transportiert und mit vollem Einsatz z.B. das Zirkuszelt für das nächste Event umgebaut. Gut hat’s geklappt.

Und es tut auch gut, wenn unser Blick zu den anderen geht. Wenn wir von Konfis und Pfarrern hören: Toll gemacht. Vielen Dank. Meine Tochter kam aus dem erzählen gar nicht mehr heraus. Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder.
Solche Rückmeldungen tun gut.

Doch entscheidend zu sein scheint ein ganz anderer Blickwinkel. Der Blick nach oben. Der Blick auf unseren Gott. So wie wir es bei Bartimäus lernen können. Bartimäus, das ist der blinde Bettler, der in Jericho am Straßenrand sitzt und seinen Blick nach oben richtet, weil er zunächst gar nicht anders kann.

Ich lese aus Markus 10, 46- 52:

Jesus und seine Jünger kamen nach Jericho. Als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge von dort weiterzog, saß ein blinder Bettler am Straßenrand, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, der vorbeikam. Da fing er an zu rufen: »Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!«
Von allen Seiten fuhr man ihn an, er solle still sein. Doch er schrie nur umso lauter: »Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!«
Jesus blieb stehen und sagte: »Ruft ihn her!«
Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: »Hab nur Mut! Steh auf, er ruft dich!« Da warf der Mann seinen Mantel ab, sprang auf und kam zu Jesus.  »Was möchtest du von mir?«, fragte Jesus. »Lieber Herr«, antwortete der Blinde, »ich möchte sehen können!«  Da sagte Jesus zu ihm: »Geh nur! Dein Glaube hat dir geholfen.« Im selben Augenblick konnte der Mann sehen. Nun schloss er sich Jesus an und folgte ihm auf seinem Weg.

Man könnte sagen: Der, der nichts sieht, blickt voll durch. Er macht es uns vor wie es geht: Lenk deinen Blick auf den, der für dich da ist. In erfolgreichen Zeiten und in Zeiten der Niederlage.

Bartimäus. Er blickt nicht auf erfolgreiche Zeiten zurück. Er blickt zurück auf schwierige und leidvolle Zeiten. Zeiten, in denen nicht alles einfach so gelingt. Zeiten, in denen er seine eigenen Grenzen deutlich spüren musste.

Da ist seine Krankheit. Sie schränkt ihn ein. Betteln als einzige Chance, überhaupt zu leben. Aber keine Chance an großen Feiern teilzunehmen. Keine Chance mal eine Reise nach Jerusalem zu unternehmen. Immer angewiesen auf das Mitleid und die Hilfe anderer. Und eigentlich möchte er doch so gerne wie wir die Dinge selbst in die Hand nehmen können. Selbtbestimmt leben. Nicht abhängig von anderen, von ihrer Hilfe von ihrer Meinung. Aber keine Chance.

Denn da sind Menschen, die nicht gerade liebevoll mit ihm umgehen. Die blöde Kommentare über ihn abgeben und die ihn spüren lassen: Du störst. Du bist hier nicht willkommen. Mit dir wollen wir nichts zu tun haben.

Der Blick auf sich selbst. Er sagt Bartimäus: Keine Chance auf Veränderung.

Der Blick auf die anderen. Er sagt Bartimäus: Du bist hier nicht willkommen.

Das Einzige, was ihm in dieser Situation bleibt, ist der Blick nach oben.

Auch bei uns gibt es Zeiten, in denen nicht einfach alles so läuft, wie wir uns das vorstellen.

Da hat vielleicht beim KonfiCamp nicht alles so geklappt, wie ich mir das gewünscht hätte. Enttäuscht von der eigene Leistung.

Da lief es in der Schule oder bei der Arbeit nicht so, wie vorgenommen. Die Noten stimmen nicht. Entmutigt von anderen.

Und auch ich erinnere mich an Situationen in den vergangenen Jahren, in denen es nicht so geklappt hat, wie ich wollte. An schwierige Zeiten im Reliunterricht, an weniger erfolgreiche Versuche Konfirmanden- und Jugendarbeit zu verknüpfen. An Abende im Jugendtreff, wo keiner kam.
Und wohin blicken wir dann?

Wohin blicken wir in diesen Situationen des Misserfolgs. Oft nur noch auf den Boden. Denn eigenes Misslingen tut weh.

Umso beeindruckender finde ich deshalb das letzte Bild auf eurem Zettel. Es ist das Bild eines Brasilianers. Nach der katastrophalen Niederlage kniet er hin und richtet den Blick – trotzdem – nach oben. Gott auf dich will ich sehen, auch und gerade in den schweren Stunden meines Lebens.

Danken in der Niederlage

Wie Bartimäus, der als Bettler am Boden sitzt, Tag ein Tag aus, und der – vielleicht auch gerade deshalb – seinen Blick nach oben richtet. Auf den, der alles in seiner Hand hält.

Bartimäus wagt in seiner Situation den Blick nach oben. Und er hält an seinem Blick nach oben fest, auch wenn andere ihn davon abbringen wollen.

Er hätte beim Blick auf sich selbst bleiben können. Er hätte sich seine hoffnungslose und aussichtslose Lage immer wieder vor Augen führen können. Er hätte in Selbstmitleid versinken und sich selbst aufgeben können: „Schon wieder verpasse ich etwas tolles hier. Bis ans Lebensende werd ich hier am Straßenrand sitzen müssen und auf andere angewiesen sein.“

Aber das macht er nicht.

Bartimäus hätte auch nur auf die anderen blicken können: Neidisch sein, dass sie sehen können und er nicht. Wert darauf legen, was sie über ihn denken und zu ihm sagen: Sei still. Du störst nur. Er hätte Wert auf die Meinung der anderen legen können, sich davon abhängig machen können und aufgeben.

Aber das macht er nicht. Er lässt sich nicht von seinem Blick nach oben, von seinem Rufen nach Jesus abbringen.

Bartimäus. Er schaut weiter auf diesen Jesus, von dem er schon so viel gehört hatte. Er vertraut ihm und er behält Recht: Der Blick nach oben ist der Entscheidende. Bartimäus kann wieder sehen. Bartimäus bekommt ein neues Leben geschenkt. Er kann sich aufrichten, aufstehen, die Welt um sich herum wahrnehmen. Der Blick nach oben in seiner schwierigen Lebenssituation. Er war für Bartimäus entscheidend.

Und er bleibt für ihn der Entscheidende. Von nun an folgt Bartimäus Jesus nach. Er hält seinen Blick auf Jesus gerichtet, bleibt in Verbindung mit ihm. Ganz eng. Ganz nah. Ganz persönlich. Er folgt Jesus nach. Und das hilft.

Es tut gut in erfolgreichen Zeiten, weil ich mich darüber freuen kann, dass es Gott so gut mit mir meint.

Und es tut gut in schweren Zeiten, weil ich weiß: Ich bin nicht allein.
Mir kam dazu letzte Woche ein gutes Bild in den Sinn, als ich bei Regen und Dunkelheit nach Hause gefahren bin. Wenn draußen der Regen prasselt, kann es manchmal sehr schwer sein noch zu sehen, wo es lang geht. Deutlich einfacher aber wird es, wenn vor mir ein anderer fährt, an dem ich mich orientieren kann. Und das ist für mich ein Bild für Nachfolge. In schwierigen Zeiten an dem Dranbleiben, der den Weg sieht. Denn er führt mich sicher nach Hause.

Diesen Blick will ich von Bartimäus lernen. Diese Blickrichtung und diese Lebensperspektive: In allen meinen Lebenssituationen nach oben blicken:

In den Situationen, wo ich selbst gescheitert bin und dringend Hilfe brauche. Und auch in den Situationen, wo ich erfolgreich bin, mit dem, was ich tue.

Genau dann will ich nach oben blicken. So wie es in den Psalmen heißt: Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Ja, die Psalmen, sie zeigen uns, wie der Blick nach oben geht. In schweren Zeiten, aber auch in erfolgreichen Zeiten. Mit meinen Schülern bete ich zu Beginn des Unterrichts auch immer einen Psalm. Es gibt mehrere zur Auswahl. Manchmal wählen sie einen Klagepsalm: „Lieber Gott, ich brauche dich dringen, ganz dringend; stell dich an meine Seite, stärke mir den Rücken. Bitte höre mich.“
Doch sehr oft auch, weil es der Kürzeste ist, genau diesen:

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Viele Psalmen in der Bibel beginnen genau mit diesem Vers.

Ich weiß nicht, ob meine Schüler die Tiefe dieser Aussage wirklich begreifen. Ich aber finde diese wenigen Worte beeindruckend, weil sie so konsequent nach oben blicken. Denn wer so beten und leben kann, nimmt eine andere Perspektive ein.

Wer mit dem Blick nach oben lebt und betet, der sagt Danke. Danke, weil er weiß: Alles ist ein Geschenk – von Gott. Ich bin nicht selbst der Macher meines Glücks. Ich bin nicht selbst verantwortlich für das Gute und den Erfolg in meinem Leben.

Wir sind nicht nur selbst verantwortlich für ein gelungenes Konfi-Camp. Wir sind nicht nur selbst verantwortlich für Gelingen bei der Arbeit oder in der Schule. Sondern ich weiß, dass da einer über mir ist. Einer, dem ich all das zu verdanken habe: Gott, der Vater, der es so gut mit mir meint.

Darum: Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Wer mit dem Blick nach oben lebt und betet, der wird aufmerksam dafür: Ja, Gott ist wirklich freundlich. Ja, Gott ist freundlich zu mir, wenn andere mir sagen: Danke für das schöne KonfiCamp. Danke für deinen Einsatz. Danke für das, was du hier in den letzten Jahren eingebracht hast. Das sind dann nicht nur Worte von Menschen. Sondern Worte von meinem wunderbaren Gott, der weiß, was meine Seele braucht. Ermutigende und wohltuende Worte. Worte, die mir jetzt gerade im Abschied nehmen Mut machen für das Neue, das da kommt in Namibia.

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Wer mit dem Blick nach oben lebt und betet, der erinnert sich immer wieder auch daran: Seine Güte währet ewiglich. Wir gehen auf eine großartige Ewigkeit bei Gott zu. Eine Ewigkeit in der nur zählt, dass wir zu ihm gehören. Persönliche Niederlagen und persönliche Erfolge spielen keine Rolle. Denn entscheidend ist allein der Blick auf Jesus. Der Blick auf den, der von sich sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater ohne mich.

Mit diesem Blick will ich Leben. Mit dem Blick nach oben, um Jesus nachzufolgen. Mit dem Blick nach oben, um dankbar zu sein für das viele, was Gott mir schenkt. Um zu erkennen, wie freundlich Gott ist. Um nicht zu vergessen: Wir gehen auf eine großartige Ewigkeit zu, in der vieles, was jetzt wichtig ist, einmal unbedeutend sein wird.

Und das wünsch ich auch den Freizeitteams, die heute ausgesendet werden: Dass es gelingt: Den Blick nach oben gerichtet zu halten. In den schönen Situationen sagen zu können: Danke Gott, dass du es schenkst. Und in den schweren Situationen: Gott, ich weiß, ich bin nicht allein. Du fährst voraus und zeigst mir den Weg. An dir kann ich mich orientieren, ja bei dir kann ich mich einhängen.

Und so möchte ich schließen mit einem Bericht über den Nationalspieler Mario Götze:

Während ganz Deutschland über Götze und seinen Treffer jubelt, geht sein Blick nach oben. Der deutsche Nationalspieler Mario Götze jubelt nach einem Tor und blickt in den Himmel. „Danke Gott für mein Talent.“

Aber er schickt nicht nur bei Erfolg einen Dank Richtung Himmel. Das zeigte er Anfang des Jahres, als er durch eine schwere Verletzungsphase ging. Eine Zeit lang stand sogar auf der Kippe, ob er überhaupt mit zur WM nach Brasilien fahren kann. Und was macht Mario Götze? Der stellt erst mal ein Foto mit einem englischen Spruch auf Facebook: «Lieber Gott, ich möchte mir eine Minute Zeit nehmen. Nicht, um dich um irgendwas zu bitten. Sondern einfach, um Danke zu sagen für alles, was ich habe.»

Der Blick nach oben. So will ich leben. Amen.

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 13. Juli 2014 von in Predigt.

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