Predigten zum Nachlesen

Auf dieser Seite finden sich Predigten von Jürgen Braun, Jugendreferent im Kirchenbezirk Reutlingen

Dreieinigkeit – wichtig für mein Leben?

Liebe Gemeinden,

besonders jetzt zur WM findet man sie wieder verstärkt und das find ich Klasse. Solche Angebote wie 10 Schokoriegel +1 gratis+ sogar noch einen Fußballsticker. Da greift man doch gerne zu. Das macht das Produkt interessanter oder besser.

Nur wenn es um Gott geht, wird die Sache auf einmal kompliziert. Da glaubt man eigentlich an den einen und einzigen Gott. Und dann ist der aber ein dreieiniger Gott. An einen Gott glauben, aber irgendwie gehören noch zwei dazu. die aber doch irgendwie derselbe Gott sind. Auf den ersten Blick macht das alles komplizierter anstatt besser.

Ein Beispiel. Es muss ungefähr heute vor zwei Jahr gewesen sein. Mein Kumpel und ich hatten uns Zeit genommen, um mal wieder gemeinsam eine ausgiebige Fahrradtour zu machen. Wir hatten genug zu trinken eingepackt, zwei Scheite Holz und ein paar Rote, um unterwegs grillen zu können. So haben wir uns motiviert gemeinsam auf den Weg gemacht.

Es war echt eine schöne Tour. Und unterwegs kamen wir dann miteinander über vieles ins Gespräch. Irgendwann ging es dann plötzlich darum, was es eigentlich mit dem Heiligen Geist auf sich hat. Ganz schön schwierig dachte ich da, wie soll ich denn das jetzt erklären mit dem Heiligen Geist, was der mit Gott zu tun hat.

Es war ja schon schwierig genug gewesen, meinen Kumpel davon zu überzeugen, dass es überhaupt einen Gott gibt. Und jetzt soll dieser Gott auf einmal Vater, Sohn und Heiliger Geist sein, also drei Personen und doch eins? Auf den ersten Blick macht die Dreieinigkeit Gottes alles komplizierter anstatt besser.

Ein anderes Beispiel. Mittwochmorgen. Heute ist wieder mein Schultag, ich werde 6 Stunden Reli unterrichten. Und jetzt in der ersten Stunde habe ich die Fünftklässler. Heute geht es um die Geschichte der Heilung eines Gelähmten, die viele von uns bereits aus der Kinderkirche oder Sonntagsschule kennen, weil die sich so spektakulär erzählen lässt, wenn Freunde das halbe Haus abreisen, um ihren Freund zu Jesus zu bringen.
Wir arbeiten einige Zeit an der Geschichte und schreiben gerade einige Dinge dazu an die Tafel. Eine Schülerin schlägt vor aufzuschreiben: Gott macht den Gelähmten wieder gesund. Als ich gerade den Satz an die Tafel schreiben möchte, ruft ein Schüler dazwischen: „Wieso Gott. Jesus macht ihn doch wieder gesund!“ Ich frage zurück, ob denn das nicht dasselbe ist. Ein intensives und interessantes Gespräch in der Klasse folgt, bei dem wir sammeln, warum Jesus ein Mensch sein muss und kein Gott sein kann, aber auch warum Jesus Gott sein muss. Und jetzt? Ist Jesus Gott oder Mensch?
Wie soll das zusammenpassen? Wir glauben doch nur an einen Gott und nicht an mehrere Götter. Zwei verschiedene Personen, die miteinander reden, aber eigentlich doch beide Gott sind. Anspruchsvoll genug, den Schülern die Augen für die Existenz Gottes zu öffnen. Und jetzt auch noch das. Auf den ersten Blick macht die Dreieinigkeit Gottes alles komplizierter anstatt besser.

Aber auch wenn es kompliziert ist: An der Dreieinigkeit Gottes führt kein Weg vorbei. Sie versucht zu sagen, wer und wie der Gott ist, den wir als Christen glauben. Wie begegnet er uns? Wie ist er für uns da? Wie kümmert er sich um uns? Die Dreieinigkeit entwirft ein Bild von einem Gott, der uns in unterschiedlicher Weise begegnet: Als ein liebevoller Vater, als rettender Freund an unserer Seite, als lebensverändernde Kraft in uns.

Im 4. Jahrhundert einigte man sich nach langen Diskussionen darauf, was dem biblischen Zeugnis entspricht: Wir glauben an den einen, dreieinigen Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Denn in der Bibel werden diese Namen oft nebeneinander verwendet. So schließt Paulus den 2. Korintherbrief mit den Worten: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Und Jesus sagt von sich selbst: „Ich und der Vater sind eins.“ Jesus betet aber auch zu Gott, dem Vater. Zeigt sich uns also als ein Gegenüber zum Vater.

Das Bekenntnis zu Gott als dem Dreieinigen Gott versucht diesem Zeugnis über Jesus gerecht zu werden. Es besagt: Jesus ist wesenseins mit dem Vater. Kein Gott neben Gott. Kein gottähnliches Wesen. Sondern Gott. Aber er ist der Sohn, der vom Vater gesandt ist. Im nizänischen Glaubensbekenntnis ist das Festgehalten, im Gesangbuch kann man das gerne mal nachlesen.

Vielleicht denken manche von euch jetzt: Schön und gut, dass die Theologen von damals eine so schöne Antwort darauf gefunden haben, wie Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist zusammengehören. Ich aber brauche das doch nicht. Richtig verstehen kann ich das sowieso nicht und danach hat mich noch nie jemand gefragt. Und wenn, dann macht es den Glauben an Gott eher komplizierter als dass es mir hilft.

Ganz schön kompliziert damit meinem Kumpel zu erklären, dass der Heilige Geist auch Gott ist.
Ganz schön schwierig meinen Schülern damit zu erklären, dass Jesus auch Gott ist und dass der Heilige Geist kein anständiges Gespenst ist.
Können wir es also nicht einfach lassen und nur von Gott reden? Es wäre auf jeden Fall leichter, nur von dem einen Gott zu reden, Jesus zu verschweigen oder ihn nur für einen besonders von Gott gesegneten Menschen zu halten. Und auch der Heilige Geist nicht zum Thema machen, sondern alles als Wirken des allmächtigen Gottes in meinem Leben zu erklären, ohne den Heiligen Geist als etwas Eigenständiges zu sehen.

Leichter ja, aber nicht besser. Ich bin der Überzeugung: Wir dürfen es nicht lassen von dem dreieinigen Gott zu reden.

Wir dürfen es nicht lassen von Gott als unserem Vater zu reden und an ihn zu glauben.

Wir dürfen es auch nicht lassen von Jesus als unserem Herrn und Freund zu reden und an ihn zu glauben.

Wir dürfen es nicht lassen vom Heiligen Geist und seiner verändernden Kraft zu reden und an ihn zu glauben.

Dafür gibt es viele theologische Gründe. Viel wichtiger ist mir aber: Wir dürfen es nicht aufgeben, weil die Dreieinigkeit den Glauben nicht schwieriger sondern reicher macht. So wie 11 Schokoriegel besser sind als 10. Dreieinigkeit führt meinen Glauben in die Weite, sie sprengt mein oft zu enges Bild von Gott, wie er ist und wie er zu sein hat.
Denn auf alle drei kommt es an, damit ein umfassendes Bild von Gottes Liebe entstehen kann. Auf Vater, Sohn und Heiligen Geist.

Am Beispiel meiner Fahrradtour kann man das gut deutlich machen.

Auch da waren drei Dinge ausschlaggebend, dass es eine richtig tolle Fahrradtour geworden ist. Hätte eines gefehlt, wäre sie nicht so gut gewesen.

Das erste: Wir waren unterwegs gut versorgt mit allem, was wir gebraucht haben. Wir hatten genug zu trinken. Und dank der Mutter meines Freundes hatten wir auch was Ordentliches zum Essen dabei. Sie hatte uns noch ein paar Rote zum Grillen mitgegeben. Und das war dann nicht nur lecker, sondern auch schön an einem kleinen Lagerfeuer Pause zu machen.

Das zweite: Wir waren gemeinsam unterwegs. Alleine Radfahren geht zwar auch und kann auch mal schön sein. Aber wenn man unterwegs jemand hat, mit dem man sich unterhalten kann, ist es einfach schöner und leichter.
Viel schöner, viel besser und viel leichter unterwegs. Mit einem Freund an meiner Seite.

Und das dritte, was diese tolle Fahrradtour erst möglich gemacht hat: Wir waren motiviert, mal wieder etwas zu machen, was wir lange nicht gemacht hatten. Eine ausgiebige Fahrradtour, so wie früher oft, als wir noch in der größten Hitze zum Stausee geradelt sind. Ohne diese Motivation wären wir wahrscheinlich nicht einmal los.

Würde einer dieser drei Faktoren fehlen, die Verpflegung, mein Freund oder die Motivation, dann wäre es nur halb so schön. Es würde etwas fehlen.

Wenn ich in meinem Glauben den Vater, den Sohn oder den Heiligen Geist ausklammere, würde etwas fehlen. Es wäre lang nicht so schön.

Dann würde ich in Gott vielleicht nicht den liebenden Vater wahrnehmen. Den, der mir genug zu Essen und zu trinken gibt. Jemand, der sich um mich sorgt und um mich kümmert. Wie die Mutter von meinem Freund, die uns genug zum Essen mitgibt.

Oder ich würde in Gott vielleicht nicht den liebenden Sohn wahrnehmen. Den Freund, der mit mir unterwegs ist. Den Sohn, der auf diese Welt gekommen ist, damit ich nie wieder alleine sein muss – auch nicht im Tod.
Den guten Freund, der nie mehr von meiner Seite weichen wird.

Oder ich würde in Gott vielleicht nicht die Kraft wahrnehmen, die mein Leben verändert, den Heiligen Geist. Gottes Geist, der mich motiviert Dinge anzugehen. Der mir manchmal Feuer unterm Hintern macht, wenn mir die Motivation fehlt, etwas Wichtiges anzupacken. Der mir die zündende Idee schenkt, wenn ich in meinen Gedanken feststecke. Der in mir aber auch wie ein wärmendes Feuer wirkt, wenn ich mich traurig oder einsam fühle, wenn ich vor Verzweiflung nicht mehr aus noch ein weiß. Der uns den Wind aus den Segeln nimmt, wenn wir mal wieder zuviel tun oder uns beflügelt, wenn wir am Boden sind.

Glauben ohne das Bewusstsein, dass ich an den dreieinigen Gott glaube, ist wie wenn ich einen 3D-Film schaue – aber nur mit einem Auge. Ich weiß nicht, wer das von euch schon mal ausprobiert hat. Da erscheint alles nur grün oder rot. Je nachdem, mit welchem Auge ich schaue.

Schaue ich aber mit beiden Augen, entsteht ein ganz neues, schönes und faszinierendes Bild. Viel lebendiger, viel realistischer, viel näher.

Und das bedeutet für mich auch Gottes Dreieinigkeit.

Wenn ich Gott nur als führsorglichen Vater wahrnehme, fehlt etwas.
Wenn ich ihn nur als Sohn und Freund wahrnehme, fehlt etwas.
Wenn ich ihn nur als verändernde Kraft in meinem Leben wahrnehme, fehlt etwas. Wenn ich aber beide Augen öffne und beginne Gott in seiner Dreieinigkeit zu begreifen und zu sehen, dann entsteht ein ganz neues, schönes und faszinierendes Bild von dem lebendigen und dreieinigen Gott. Viel lebendiger, viel realistischer, viel näher.

Mit der Dreieinigkeit zu leben, das heißt für mich: Täglich entdecken, wie unterschiedlich Gott mir mit seiner Liebe begegnet.

Entdecken, wie sehr mich Gott liebt. Nämlich so sehr, dass er mich als Vater und Schöpfer durch diese Welt mit allem versorgt, was ich zum Leben brauche.

Entdecken, wie sehr mich Jesus liebt. Nämlich so sehr, dass er sogar sein Leben für mich hergibt, damit ich leben kann.

Entdecken, wie sehr der Heilige Geist mich liebt. Nämlich so sehr, dass der er wie ein Feuer in mir brennt, das antreibt und wärmt.

Die Vorstellung vom dreieinigen Gott ist kein einfaches Brot. Und es wird schwierig bleiben, meinem Kumpel oder meinen Schülern zu erklären, wie Gott einer ist und trotzdem drei sein kann.

Aber mich lehrt die Dreieinigkeit neu, über Gottes umfassendes Wirken in meinem Leben zu staunen. Als Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Auch Paulus geht es so. Nicht die Frage danach, wie Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist zusammengehören bewegt ihn. Er denkt über Gottes Wege mit Israel nach. Aber am Schluss bringt Paulus dieses Nachdenken über Gott zum Staunen. Er staunt über Gottes geheimnisvolle und wunderbare Wege mit den Menschen.

Er schreibt in Römer 11,33-36:

Wie unergründlich tief ist Gottes Reichtum, wie tief seine Weisheit und seine Voraussicht! Wie unerforschlich sind seine Gerichtsurteile, wie unbegreiflich seine Führungen! 34 Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? 35 Wer hat ihm je ein Geschenk gemacht, sodass er etwas dafür fordern könnte? 36 Von Gott kommt alles, durch Gott lebt alles, zu Gott geht alles. Ihm gehört die Herrlichkeit für immer und ewig!

Staunen über Gottes geheimnisvolle und wunderbare Wege mit den Menschen. Staunen darüber, dass Gott so weise handelt. Staunen darüber, dass Gott seinem Volk so führen wird, dass sie eines Tages nach Hause finden.

Ja, das will ich auch. Staunen über Gottes geheimnisvolle und wunderbare Wege mit den Menschen. Staunen darüber, dass er sich uns als der dreieinige Gott gezeigt hat und immer wieder zeigt.
Als der Schöpfer und Vater, der uns am Leben hält.
Als der Sohn, der als guter Freund sein Leben für uns lässt, damit wir leben können.
Als der Heilige Geist, der uns Feuer unterm Hintern macht und uns tröstet, wenn wir traurig sind.

Diesen dreieinigen Gott will ich immer mehr in meinem Alltag entdecken, und dann ins Staunen kommen über seine geheimnisvollen und wunderbaren Wege mit mir.

Und vielleicht nimmst du dir heute diese eine Frage mit nach Hause: Welchen –vielleicht auch neuen – Schwerpunkt möchtest du dir für die kommende Woche aussuchen, um wahrzunehmen, wie der dreieinige Gott dir seine Liebe zeigt. Möchtest du mal ein Auge darauf haben, wie dir Gott in dieser Woche als liebender Vater begegnet. Oder wie er dir in Jesus als einem treuen Freund begegnet zur Seite steht und mit dir geht? Oder willst du versuchen wahrzunehmen, wie der Heilige Geist dich in dieser Woche führt und leitet?

Ich bin gespannt, was wir uns dann zu erzählen haben über die wunderbaren und geheimnisvollen Wege des dreieinigen Gottes mit uns. Denn von Gott kommt alles, durch Gott lebt alles, zu Gott geht alles. Ihm gehört die Herrlichkeit für immer und ewig! Amen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 16. Juni 2014 von in Predigt.
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