Predigten zum Nachlesen

Auf dieser Seite finden sich Predigten von Jürgen Braun, Jugendreferent im Kirchenbezirk Reutlingen

Dem Kind einen Namen geben

Liebe Gemeinde,

am liebsten würde ich euch alle Fragen, wie ihr heißt. Jetzt nachdem wir gehört haben, was so die beliebtesten Namen in den letzten hundert Jahren waren, wär das bestimmt spannend. Vielleicht hat ja auch jemand von euch einen dieser Modenamen damals bekommen und heute sitzt ein… , eine… oder eine … hier bei uns.

Unser Leben beginnt und wir bekommen einen Namen. Oft liebevoll von unseren Eltern ausgesucht. Doch nach und nach kommen weitere Namen dazu. Da bin ich dann zuerst der süße Knopf, dann der wilde Feger, vielleicht der fleißige Schüler und so geht das immer weiter. Und heute? Da bin ich vielleicht die gute Mutter, der erfolgreiche Geschäftsmann, der vorbildliche Mitarbeiter oder oder oder. Auch das sind Namen, die wir haben oder die uns gegeben wurden.

Und so eilt uns dann unser Ruf voraus. Z.B. mein Name als Relilehrer.  Ja, beim Herrn Braun, da ist es nicht so streng, da ist der Unterricht locker. Und klar, das freut mich, wenn die Schüler dann auch fröhlich auf dem Pausenhof auf mich zukommen. Aber wenn es der Unterricht dann erfordert, dass ich doch mal strenger sein muss, dann fällt mir das ziemlich schwer. Schließlich will ich meinem Namen als guter Relilehrer ja alle Ehre machen.

Vielleicht hast du dir einen Namen als gute Köchin gemacht. Morgen kommt Besuch und ausgerechnet dann passiert es: Einen Moment nicht richtig aufgepasst und schon ist der leckere Kuchen verbrannt. Als gute Köchin kannst du das deinen Gästen doch nicht anbieten. Nochmal backen reicht heute nicht mehr. Also morgen in aller Frühe raus und noch schnell einen backen bevor die Gäste kommen. Schließlich willst du deinem Namen als gute Köchin alle Ehre machen.

Oder vielleicht hast du dir einen Namen als vorbildlicher Mitarbeiter in der Jugendarbeit gemacht. Jede Woche hast du dir ein großartiges Programm für die Jungschar einfallen lassen, die Kinder kommen gerne und sind gespannt, was du dir wieder großartiges ausgedacht hast. Doch in der Schule stehen wichtige Prüfungen an und eigentlich kannst du schon nicht mehr. Du bräuchte mal eine Pause für dich. Es ist schon halb zehn. Für die Jungschar morgen hast du noch nichts vorbereitet, eigentlich bist du hundemüde, aber was sein muss muss sein. Schließlich muss du deinem Namen als vorbildlicher Mitarbeiter alle Ehre machen.

Oder du hast dir einen Namen als zuverlässiger Angestellter gemacht. Du hast noch viel zu tun, aber eigentlich solltest du dringend nach Hause. Deine Kinder haben gerade so wenig von dir. Schließlich bist du doch der tollste Papa der Welt für sie.

Und welchem Namen sollst du nun alle Ehre machen? Dem tollen Papa oder dem zuverlässigen Angestellten?

Gar nicht so einfach mit den ganzen Namen, die man so hat und denen man gerne alle Ehre machen würde. Viele Ansprüche verbinden sich damit und machen einem das Leben manchmal ganz schön schwer. Früher aufstehen, um nochmal zu backen. Wachbleiben, um die Jungschar noch vorbereiten zu können. Hin und hergerissen sein zwischen dem Anspruch des Chefs und dem eigenen Anspruch ein guter Papa zu sein.

Wie verhängnisvoll das sein kann, sich einen Namen zu machen, zeigt bereits eine Geschichte ganz am Anfang der Bibel. Sie erzählt uns von Menschen, die ihrem Namen selbst alle Ehre machen wollen und die sich dadurch das Leben ganz schön schwer machen.

Ich lese aus 1. Mose 11: Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und sie nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder.

Ein großes Bauprojekt, um sich einen großen Namen zu machen. Einen Ruf als hervorragende Bauleute, als Menschen, denen nichts unmöglich ist.

Wer die Geschichte vom Turmbau zu Babel kennt, weiß aber auch wie sie endet. Das große Bauprojekt schlägt fehlt. Der Versuch sich selbst einen Namen zu machen endet damit, dass sie sich nicht einmal mehr gegenseitig beim Namen nennen können. Keine Kommunikation ist mehr möglich. Der Versuch sich selbst einen Namen zu machen hat das Leben schwer gemacht. Denn wie es aussieht ist jetzt jeder auf sich allein gestellt.

Sich einen Namen machen. Namen von anderen bekommen. Ständig tun wir es. Aber das ist nicht immer nur gut.

Auch bei ihm: Er. Das ist der erfolgreiche Geschäftsmann. Auch er hat sich einen großen Namen bei anderen machen wollen. Heute ist er zwar beliebt bei Geschäftsleuten, für die er oft große Galaabende schmeißt. Er gehört zu den Reichen der Reichen. Seine Geschäftskollegen rufen beeindruckt: „Da kommt er, Mister Mega-Reich“ und das fühlt sich gut an.. Beim Volk hat er aber ganz andere Ruf. Namen, die er meistens nur hinter seinem Rücken oder hinter vorgehaltener Hand hört. Namen wie Betrüger, Halsabschneider, Verräter. Manchmal fühlt er sich sehr einsam.

Diese Namen kränken ihn, tun weh. Manchmal wünscht er sich nicht mehr Mister Mega-Reich zu sein, sondern einfach nur noch er selbst. Er selbst sein. Ohne den Anspruch immer erfolgreich sein zu müssen. Wie soll er da nur wieder herauskommen aus all den Namen, die er bekommen hat? Ja, seinen eigentlichen Namen hat schon lange niemand mehr ausgesprochen.

Sich einen Namen machen. Namen von anderen bekommen. Das ist nicht immer nur gut.

Ich merke bei mir, wie schnell ich dabei bin mich so zu verhalten wie die Leute beim Turmbau: Ich versuche mir selbst einen Namen zu machen. Als guter Relilehrer. Als guter Prediger. Als guter Jugendreferent. Und das setzt mich dann unter Druck: Ich muss das doch jetzt gut machen. Ich muss da doch jetzt eine gute Idee haben, wie ich den Unterricht spannend gestalten kann. Ich muss doch jetzt ein beeindruckendes Programm für den Jugendtreff wissen. Ich muss doch in der Sitzung heute Abend für tolle Ergebnisse sorgen.

In solchen Momenten wünsche ich mir dann wie Mister Mega-Reich, dass mir diese Namen doch einmal ganz egal sein könnten. Dass ich den Anspruch der mit diesem Namen verbunden ist einfach sein lassen kann. Den Anspruch an mich selbst, dass ich doch ein guter Lehrer sein muss und den Anspruch anderer an mich, wie Unterricht zu sein hat. Das alles einfach mal auf die Seite legen. Diesen Namen loswerden und einfach ich sein.

Vielleicht geht es euch mit dem einen oder anderen Namen, den man euch gibt ja auch so. Mit einem Ruf, der euch vorauseilt und dem ihr es dann auch recht machen wollt. Dem Ruf als gute Köchin. Als vorbildlicher Mitarbeiter. Als guter Papa und erfolgreicher Angestellter oder was auch immer.

Hat ihn eigentlich jemand erkannt, den erfolgreichen Geschäftsmann von vorhin? Es ist die Geschichte von einem, der seine bisherigen Namen ablegt und wieder von vorne beginnen darf. Denn er kommt in Rufweite von dem, der alles verändern kann. In Rufweite von dem, der ihn bei seinem eigentlichen Namen ruft. Nicht Mister Mega-Reich. Nicht Halsabschneider. Nicht Verräter. Sondern einfach nur Zachäus.

Mich fasziniert diese Geschichte über die Begegnung von Jesus und Zachäus. Ein Mann, der tausende Namen im Volk hat, von Mister Mega-Reich bis Verräter. Dieser Mann wird von Jesus mit seinem Namen angesprochen. Zachäus.

Und das verändert alles. Zachäus gibt die Hälfte seines Besitzes den Armen. Er ist nicht mehr Mister Mega-Reich. Und er gibt zurück, was er zu viel genommen hat. Er ist nicht mehr der Betrüger. Er will nur noch Zachäus sein, so wie er von Gott gewollt ist.

Zachäus gelingt es diese Namen abzulegen, die ihm immer mehr zu schaffen gemacht haben. Und da würde ich gerne bei Zachäus lernen, wie das geht. Namen ablegen, die mir das Leben schwer machen.

Ich glaube der Schlüssel ist, dass sich Zachäus in Rufweite von Jesus begibt.  Dafür klettert er auf einen Baum, um von dort hören zu können, was Jesus erzählt. Und plötzlich nennt der ihn beim Namen und kommt sogar  zu ihm nach Hause.

Jesus – einer für den mein Ruf in dieser Welt gar nicht wichtig ist.

Jesus – einer für den nur der Name zählt, den ich von Anfang an habe. Mein Name. Mein Ruf, den ich von Anfang an bei ihm habe.

Was Jesus und Zachäus beim Abendessen miteinander geredet haben, steht leider nicht in der Bibel. Aber vielleicht hat Jesus Zachäus an eine wichtige Tatsache erinnert: An die entscheidenden Worte aus dem Alten Testament: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“
Bei all den Namen, die Zachäus in den Jahren bekam hat er den entscheidenden aus dem Blick verloren. Seinen Familiennamen. Als Jude gehört er zum Volk Gottes, zu dieser großen Familie. Unverdient. Denn als Jude wird man geboren.

Bei Gott hast du schon längst einen Namen, den brauchst du dir nicht mehr machen. Das höre ich in diesem Vers. Du gehörst zu ihm – und das genügt. Einen anderen Namen brauchst du nicht. Weder erarbeiten noch von anderen annehmen. Du brauchst nicht Mister Mega-Reich sein. Du brauchst auch nicht auf den Namen „Betrüger“ zu hören.

„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ Einen Vers, den wir oft bei Taufen hören. Und ja, getauft sein bedeutet genau das: Ich bin Teil von Gottes Familie. Ich gehöre zu ihm. Getauft auf den Namen Gottes des Vater, des Sohnes und d. Heiligen Geistes. Ich gehöre zu ihm – und das genügt. Einen anderen Namen brauche ich nicht. Nicht den Namen des guten Relilehrers. Nicht den Namen der „guten Köchin“. Nicht der Name des vorbildlichen Mitarbeiters oder des verlässlichen Arbeitnehmers.

Es reicht dass ich zu Gott gehöre. Welchen Namen, welchen Ruf ich bei ihm habe, das zählt. Und bei ihm habe ich wirklich einen großen Namen.

So heißt es z.B. beim Propheten Jeremia:

„Gott spricht: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte“

So denkt Gott über mich. Geliebt. Diesen Namen darf ich tragen. Unverdient. Geschenkt. Wie Eltern ihr Kind lieben, so und noch viel mehr bin ich von Gott geliebt. Das heißt es, zu Gott zu gehören. Auf seinen Namen getauft zu sein: Von ihm geliebt. Einfach so.

Psalm 8 macht das noch viel deutlicher, wie bedeutend ich für Gott bin, ohne dass ich auch nur etwas dafür getan habe, um mir bei ihm einen Namen zu machen. Da heißt es:

„was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan. HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Gott verleiht jedem von uns eine große Ehre und Herrlichkeit. Er hat mir schon längst Ehre gegeben bevor ich überhaupt meinem Namen Ehre machen kann. Vergleichbar mit einem König, der eine verantwortungsvolle Aufgabe bekommt. Kein erarbeiteter Titel, sondern ein verliehen Titel. Kein hart erarbeiteter Doktortitel und doch viel wertvoller. Weil ich von Gott Ehre und Herrlichkeit verliehen bekomme. Einfach so.

Und einen letzten Ruf haben wir noch bei Gott, weil wir zu ihm gehören: Wunderbar gemacht. Denn wunderbar sind seine Werke. Genau so wie ich bin hat er mich gewollt. Als diesen einmaligen Menschen. Mit diesem Namen, den ich habe. Nicht mit einem anderen.

Das zu hören tut gut, wenn ich wieder dabei bin mich unter Druck zu setzen weil ich meine, dass ich meinem Namen alle Ehre machen muss.

Zachäus kommt in Rufweite von Jesus als er merkt: Diese Namen, die ich mir mache, tun mir nicht gut. Er kommt und wird mit an seinen Namen erinnert, den er schon seit seiner Geburt, von Anfang an hat. Unverdient.

Und auch wir können heute in Rufweite von Jesus kommen, wenn wir merken: Diese Namen, die ich mir da gerade mache oder die ich bekomme, tun mir nicht gut. Dann kann ich mir Zeit nehmen und hören, was Jesus über mich denkt. Das kann gehn, indem ich mit der Tageslosung in den Tag starte und so Gottes gute Worte über mein Leben höre. Oder indem ich auf dem Weg ins Geschäft Lieder höre, die mich in Kontakt mit Gott bringen. Oder indem ich ab und zu dort hinkomme, wo andere Christen sich treffen: Im Hauskreis, im Mitarbeiterkreis oder im Gottesdienst.

Denn nur wenn ich in Rufweite von Jesus bleibe kann es gelingen, dass ich nicht vergesse: Ich hab schon einen großen Namen. Einen ehrenvollen und herrlichen Namen. Geliebt als der wunderbare Mensch, als der ich geschaffen bin, mit meinem einmaligen Namen. Ein Name, der die größte Ehre hat. Denn ich gehöre zu Gottes Familie. Ich bin getauft auf den Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft.

Amen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 3. Februar 2014 von in Predigt.
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