Predigten zum Nachlesen

Auf dieser Seite finden sich Predigten von Jürgen Braun, Jugendreferent im Kirchenbezirk Reutlingen

Vorfreude auf die Ewigkeit

Liebe Gemeinde.

Bei Kindern kann man herrlich beobachten, wie die Vorfreude das ganze Leben bestimmen kann. Ich mache am Anfang meiner Relistunden immer eine Runde, wo jeder kurz sagen darf, wie es ihm gerade geht. Und diese Woche gab es einige, die gesagt haben: Ich bin heute gut drauf, weil in 5 Wochen Weihnachten ist. Sie freuen sich heute schon auf Weihnachten, und darum sind sie gut gelaunt. Ich find das beeindruckend. Sie wissen, wir müssen noch warten, aber weil die Vorfreude so groß ist, können sie nicht anders als ständig zu fragen: Wann ist endlich Weihnachten? Wann geht’s endlich in Urlaub? Wann besuchen wir wieder die Oma, und und und?

Vielleicht ging es den Jüngern damals ähnlich, als Jesus ihnen von der Ewigkeit erzählt hat. Jesus, wann ist endlich Ewigkeit? Und Jesus gibt daraufhin folgendes zu verstehen: Zum Christsein gehört Warten auf die Ewigkeit. Er sagt:

Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht; sie bleiben gültig für immer und ewig.« »Doch den Tag oder die Stunde, wann das Ende da ist, kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel – nicht einmal der Sohn. Nur der Vater kennt sie. Seht zu, dass ihr wach bleibt! Denn ihr wisst nicht, wann der Zeitpunkt da ist. Es ist wie bei einem Mann, der verreist. Er verlässt sein Haus und überträgt seinen Dienern die Verantwortung. Jedem weist er seine Aufgabe zu, und dem Türhüter befiehlt er, wachsam zu sein. So sollt auch ihr wach bleiben, weil ihr nicht wisst, wann der Hausherr kommen wird: am Abend, um Mitternacht, beim ersten Hahnenschrei oder wenn die Sonne aufgeht. Wenn er kommt, soll er euch nicht im Schlaf überraschen! Was ich euch vier Jüngern hier sage, das gilt für alle: Bleibt wach!«

Jesus sagt: Die Ewigkeit kommt. Himmel und Erde werden vergehen. Das steht fest. Ihr müsst euch aber noch gedulden. Wann, weiß ich auch nicht. Bis dahin gehört zum Christsein das wache Warten auf die Ewigkeit.

 

Bleibt wach heißt natürlich nicht Tag und Nacht durchmachen. Gemeint ist sicherlich: Nur wer wach ist hat offene Augen. Nur wer wach ist behält im Blick, dass die Ewigkeit kommt. So steigt die Vorfreude auf der einen Seite, aber auch die Gewissheit: Es lohnt sich zu warten, wenn man die Ewigkeit im Blick behält.

So wie bei Max. Max wünscht sich zu Weihnachten ein neues Fernsteuerungsauto. Er hat es in der Werbung gesehen und seitdem lässt es ihn nicht mehr los. Er hat gesehen, was es alles tolles kann und nun kann er es kaum erwarten. Und fast täglich sieht er es in der Werbung. Und je öfters er die Werbung sieht, desto mehr freut er sich drauf, weil er immer wieder etwas Neues entdeckt und auf neue Ideen kommt, was er noch so alles mit diesem neuen Auto machen könnte. Und er ist sicher: Das Warten bis Weihnachten lohnt sich!

Ich glaube, dass es für uns ähnlich ist: Je deutlicher wir vor Augen haben, was die Ewigkeit ausmacht, auf die wir zugehen, desto größer wird unsere Vorfreude darauf und die Überzeugung: Das Warten lohnt sich!

Wie stellt ihr euch eigentlich die Ewigkeit vor? Überlegt mal kurz.

Vorstellungen gibt es da sehr unterschiedliche. Geborgen in Gottes Hand, getragen im Licht, von Engeln umgeben, alles wird anders sein…“,

Ich hab ein Bild eines meiner Schüler mitgebracht, was für ihn zur perfekten neuen Welt gehören würde.

Ein paar Dinge waren für ihn dabei sehr wichtig. Es muss schön warm sein (darum die Sonne), es muss die Möglichkeit geben Sport zu machen, es braucht gutes Essen und die Freunde und die Häuser der Freunde müssen ganz in der Nähe sein. Und das Schild hier oben soll zeigen, dass es keine Gewalt mehr geben soll. Soweit die  Vorstellung eines Schülers.

Auch die Bibel selbst gibt uns einige Bilder für die Ewigkeit mit. Einige möchte ich kurz vorstellen. Für mich sind sie wie die kleine Türchen in einem Adventskalender, die wir öffnen können und dahinter ein bisschen von Gottes Ewigkeit entdecken.

Erstes Türchen öffnen.

Das stärkste Bild für die Ewigkeit liefert uns Jesus in der Offenbarung des Johannes, Kapitel 21:

Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde sind verschwunden. Und das Meer ist nicht mehr da. Und ich sah die heilige Stadt: das neue Jerusalem. Sie kam von Gott aus dem Himmel herab – für die Hochzeit bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Dann hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: „Sieh doch: Gottes Wohnung bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Und er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen.“ Der auf dem Thron saß, sagte: „Sieh doch: Ich mache alles neu!“ Und er fuhr fort: „Schreib alles auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.“

Ein wunderbares Bild von Gottes neuer Welt, von der Ewigkeit. Gott greifbar nahe. Gott wohnt mitten unter den Menschen. Gott – mir ganz nahe. Wie ein Vater, der Zeit mit seinen Kindern verbringt. Wie ein großer König zum Anfassen.

Und diese Nähe Gottes bringt fantastisches mit sich. Diese Worte muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: „Er wird jede Träne abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben. Es wird keine Trauer mehr geben. Kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen.“ Unglaublich diese Worte, find ich.
Unglaublich tröstlich, besonders wenn man einen geliebten Menschen verlieren musste.

Unglaublich tröstlich, weil ich wissen darf: Dort wird’s keine Schmerzen mehr geben. Die gute Besserung, die ich mir doch so sehr für den anderen gewünscht hatte: Dort wird sie sein. Dort wird kein Leiden mehr sein. Kein Schmerz. So großartig und unvorstellbar ist Gottes Ewigkeit.

Wir machen ein weiteres Türchen im Adventskalender der Ewigkeit auf. Wir tauchen ein in die Heilungswunder bei Jesus. Von Jesus werden uns viele Heilungstaten erzählt. Er macht Blinde sehend, Lahme gehend, Taube hörend. Was Jesus tut, zeigt uns ein Stück Ewigkeit. Zum Beispiel bei dem blinden Bettler Bartimäus. Bettelnd sitzt er am Straßenrand, das Volk ist blind für die Hilfe, die er braucht. Doch Jesus überhört ihn nicht. Er lässt ihn zu sich kommen und macht ihn gesund. Er macht ihn sehend. Das Leiden unter der Blindheit und Verachtung der Menschen. Es ist vorbei. Und darum folgt er Jesus nach.

Zwei Dinge werden hier über die Ewigkeit deutlich. Es wird zum einen ein Ort sein, an dem ich erlöst bin von Krankheiten und andere Dinge, unter denen ich leide. Es wird sie nicht mehr geben. Bartimäus kann wieder sehen.
Und zum anderen ist es der Ort, an dem ich in enger Verbindung zu Jesus leben werde. Zuhause angekommen. Heil an Leib und Seele. Bartimäus folgt Jesus nach.

Und noch ein weiteres Türchen öffnet sich im Adventskalender der Ewigkeit: Jesus erzählt in vielen Gleichnissen von dem kommenden Reich Gottes.
In Lk 14 beschreibt er die Ewigkeit als ein großes Hochzeitsfest. Wir dürfen uns also auf ein tolles Fest in der Ewigkeit freuen. Klingt doch gut.
Und in Mt 20 erzählt uns Jesus ein Gleichnis über einen Weinbergbesitzer, der jedem am Ende des Tages genug gibt. Genug, um sich keine Sorgen machen zu müssen. Genug um zu leben. Genug um die Familie zu versorgen. Auch etwas, das uns hier auf dieser Welt zu oft bestimmt: Die Sorge darum, ob es zum Leben reicht, was wir haben. Nicht wenige müssen den Cent zweimal umdrehen. Und das wird es dort nicht mehr geben. Denn Gott hat für alle genug.

Diese und andere Türchen eröffnen uns im Neuen Testament einen Blick auf die großartige Ewigkeit. Weil wir zu Jesus gehören, darum dürfen wir uns schon jetzt auf diese Ewigkeit freuen:

Eine Ewigkeit, in der Gott ganz nah bei dir und mir sein wird. Eine Ewigkeit ohne Tod, Schmerz, Trauer und Leiden. Eine Ewigkeit in der Krankheit nicht mehr zählt. Eine Ewigkeit, in der ein großes Fest gefeiert wird und in der sich niemand mehr sorgen muss. Denn Gott hat für jeden genug.

Mir gefallen diese Bilder der Ewigkeit. Darauf warte ich gerne. Wie Max auf sein Auto. Und je öfters ich mich mit diesen Bildern beschäftige, desto mehr freue ich mich darauf und warte gerne.

Jesus mahnt uns wachsam zu bleiben, also den Blick auf diese Ewigkeit nicht zu verlieren. Doch wie kann das gelingen, den Alltag so zu leben, dass ich dabei die Ewigkeit im Blick habe und im Blick behalte?

Viel zu schnell bin ich doch wieder in meinen alltäglichen Sorgen gefangen.

Viel zu schnell leide ich wieder unter meiner eigenen Begrenztheit.

Viel zu schnell kehrt die Trauer zurück.

Ich finde da den Adventskalender eine echt super Erfindung. Genau so kann es nämlich gehen, finde ich. Man kann immer mal wieder ein Türchen öffnen und hineinschauen, um darin einen kleinen Ausschnitt der Ewigkeit zu erkennen. Ab und zu die Bibel aufschlagen und nachlesen, was Jesus uns darüber erzählt, so  wie wir es jetzt gemacht haben.
Aber mal ehrlich. Viel interessanter als die Bildchen die zum Vorschein kommen, sind doch beim Adventskalender die Schoklädchen, die man rausnehmen kann.

Und genau solche Schoklädchen braucht es für unser, damit wir die Ewigkeit nicht aus dem Blick verlieren.

Ich versuch mal zu erklären, was ich damit meine.

Schokolade hat für mich drei wichtige Eigenschaften: Sie schmeckt gut. Sie liefert Energie. Und sie tröstet, wenn man traurig ist.

Es braucht also erstens die Schokolade, die gut schmeckt. Es braucht in unserem Leben immer wieder einen kleinen Vorgeschmack auf die Ewigkeit. Momente, wo ich heute schon im kleinen etwas von dem spüre, was noch großartiges kommen wird.
Und ich glaube wer wach ist, kann tatsächlich heute schon kleine Spuren von Gottes Ewigkeit in seinem Leben entdecken.
Da gelingt es den Ärzten z.B. meine Krankheit zu besiegen und ich bin wieder gesund. Von Gott geschenkt. Ein Vorgeschmack auf seine Ewigkeit.

Da finde ich nach langer langer Suche endlich einen Arbeitsplatz. Von Gott geschenkt. Ein Vorgeschmack auf seine Ewigkeit.

Da geh ich sonntags in den Gottesdienst und begegne Menschen, die mir zeigen, dass sie mich gern haben. Menschen, bei denen ich einfach sein darf. Von Gott geschenkt. Ein Vorgeschmack auf seine Ewigkeit.

Für mich spielt die Gemeinde an dieser Stelle echt eine ganz entscheidende Rolle. Gemeinsam gelingt es einfach besser wachsam zu sein für das, wo Gott uns heute schon einen Vorgeschmack auf seine Ewigkeit schenkt. Und das dann miteinander zu teilen hilft unglaublich, Gottes Ewigkeit nicht aus dem Blick zu verlieren.

Es braucht zweitens dann aber auch die Schokolade, die Energie liefert. Energie, die heute schon ein kleines Stück Ewigkeit bei uns Realität werden lässt.

Max freut sich sehr auf das neue Fernsteuerungsauto. Und weil er sich so darauf freut, will er nicht länger einfach nur dasitzen und warten. Er geht in sein Zimmer und holt das alte Fernsteuerungsauto raus, bläst einmal über das staubige Gehäuse und los geht’s nach draußen, mit dem Auto fahren. Natürlich ist es nicht so wie das Neue, auf das er noch wartet, aber im Kleinen wird seine Sehnsucht schon wahr.

Und so kann auch uns die Vorfreude auf die Ewigkeit so begeistern, dass wir nicht nur dasitzen und warten, bis die Ewigkeit kommt. Sondern dass wir aufstehen und schauen: Was sind meine Möglichkeiten, um heute schon ein Stückchen wenigstens von Gottes Neuer Welt wahrwerden zu lassen.

Und ich finde der Suppentopf hier in der Gemeinde ist dafür ein klasse Beispiel. In Gottes Ewigkeit wird sich keiner mehr Sorgen darum machen müssen, ob er heute genug Geld haben wird, um nicht hungern zu müssen. Und ja, im Kleinen findet das beim Suppentopf statt. Und das finde ich großartig. Gottes Verheißung für die Zukunft ist nicht nur eine Vertröstung. Sondern sie schenkt Energie und Leidenschaft, um mit seinem Segen heute schon mit meinem Möglichkeiten dafür sorgen, dass ein kleinen Stück seiner Ewigkeit bei den Menschen aufleuchten darf. Und so bleibt seine Ewigkeit bei mir im Blick.

Und es braucht drittens denke ich noch ein Schoklädchen, das mich in meiner Trauer tröstet. Manche greifen wenn sie traurig sind zu Schokolade. Wozu können wir Christen greifen, um in der Trauer um einen lieben Menschen die Ewigkeit nicht aus dem Blick zu verlieren?

Auch hier braucht es wieder uns als Gemeinde. Es braucht die Möglichkeit nach Freunden zu greifen. Nach Menschen, die in  Zeiten der Trauer einfach für mich da sind. Menschen, die mir keine blöden Ratschläge erteilen. Freunde, die einfach da sind, mir zuhören und so den Schmerz mit mir aushalten. Mit mir wütend sind.

Freunde, die mir aber auch den Blick wieder dafür öffnen, dass das Leid nicht das letze Wort haben wird. Sondern Jesus, der da sagt: Himmel und Erde werden vergehen. Meine Worte aber werden nicht vergehen.

Den Blick auf die Ewigkeit nicht verlieren. Dazu will uns Jesus ermutigen.

Ich freu mich auf nächsten Sonntag. Da ist nämlich erster Dezember und ich werde ein Türchen im Adventskalender öffnen. Und dann werde ich das Schoklädchen rausnehmen und mich erinnern.
Ja, Gott gibt mir heute schon im Kleinen einen Vorgeschmack auf seine Ewigkeit.
Ja, Gott gibt mir heute Energie, im Kleinen ein Stück von seiner Ewigkeit bei den Menschen aufleuchten zu lassen.
Ja, Gott tröstet mich heute schon, weil ich wissen darf: Nicht das Leid und der Tod werden das letzte Wort haben. Sondern Jesus, der sagt: Himmel und Erde werden vergehen. Meine Worte aber werden nicht vergehen.

Amen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 25. November 2013 von in Predigt.
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